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7 Fragen der „Hildener Kirchen“ an die Bürgermeisterkandidaten

Eingestellt am 6. Juni 2009 | Kategorie: Anfragen

7 Antworten von Rudolf Joseph auf

7 Fragen der „Hildener Kirchen“ an die Bürgermeisterkandidaten

 

Frage 1

In der Heiligen Schrift heißt es: „Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“

(2 Kor 5,17)

 

Christen beteiligen sich am Aufbruch der Gesellschaft und stehen Neuem positiv gegenüber.

 

Frage: Bezeichnen Sie sich als Christ ?  An welcher Stelle wollen Sie das Neue in Ihrem Berufsalltag als Bürgermeister/in leben ?

 

Antwort Rudolf Joseph:

Ja, ich bezeichne mich als Christ. Und ich bezeichne mich als Liberaler. Dem Neuen aufgeschlossen gegenüber zu stehen und die Chancen zu erkennen ohne die Risiken zu verkennen: Das ist auf eine Kurzformel gebracht das Programm der FDP.  Als Bürgermeister würde ich nicht alles anders machen als mein Vorgänger, nur um mich größtmöglich von diesem zu unterscheiden. Neu sein würde unter meiner Amtsführung die Art das Amt zu führen. Nicht nach Gutsherrenart, sondern in einem produktiven Klima, mit Effizienzsteigerung und ohne Denkverbote.

 

Ich würde nicht nach althergebrachten Grundsätzen abarbeiten, was mir auf den Tisch gelegt wird, sondern mit allen Beteiligten Ziele vereinbaren, die wir bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichen wollen. Und an der Erreichung der Ziele würde ich den Erfolg meiner Arbeit als Bürgermeister messen lassen.

 

 

Frage 2

In der Heiligen Schrift steht: „Ihr seid das Salz der Erde!“(Matthäus 5,13)

 

Christen würzen mit ihrem Engagement das Leben der Menschen.

 

Frage: Was erwarten Sie als Bürgermeister/in von den Kirchen in Hilden?

 

Antwort Rudolf Joseph:

Umfragen unter Christen zu Erwartungen an die Kirche konzentrieren sich regelmäßig erstens auf die Verkündigung und den Gottesdienst, zweitens auf die so genannten Amtshandlungen wie Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung, drittens auf Diakonie (also die Betreuung von Alten, Kranken, Menschen mit Behinderung), viertens auf Seelsorge und (immer schwächer werdend) auf politische Diakonie, nämlich dass sie sich um Probleme von Menschen in sozialen Notlagen kümmert.

 

Ich erwarte lebendige Kirchen in Hilden. Lebendige Kirchen, die die Menschen begleitet – durchs ganze Jahr, durchs ganze Leben. Als Mitglied der katholischen Gemeinde in Hilden weiß ich aber auch, dass Erwartungen nur erfüllt werden, wenn man selbst bereit ist, an der Umsetzung mitzuwirken.  

Die demographische Entwicklung in der Bundesrepublik und die veränderten steuerlichen Rahmenbedingungen betreffen auch die Kirche. Das heißt, dass die  Kirchensteuereinnahmen in den nächsten Jahren sinken werden. Damit steht die Kirche vor der gleichen Frage wie die Stadtverwaltung, nämlich wie sie mit weniger Geld und mit weniger hauptamtlichen Mitarbeitern den Erwartungen unserer Mitmenschen gerecht werden kann.

 

 

Frage 3

In der Heiligen Schrift heißt es: „Gedenke des Sabbats: Heilige ihn!“

(2. Mose 20,8)

 

Christen setzen sich für den Erhalt der Sonntagsruhe und der Feiertage ein.

 

Frage: Was werden Sie gegen die Aushöhlung des Sonntagsgebotes, eines Kennzeichens unserer abendländischen Kultur, tun ?

 

Antwort Rudolf Joseph:

An Sonn- und Feiertagen sollten wir das tun, was uns Erholung und Freude bereitet. Dazu gehören die Besinnung, die innere Einkehr, die schöpferische Entfaltung, die Erbauung, das Zu-sich-selbst-Kommen und Abstand-Gewinnen, aber auch das gemeinsame Spiel, die Zerstreuung, die bereichernde Unterhaltung und der spielerische Wettbewerb.

 

Das Ladenöffnungsgesetz und die Handhabung der Ausnahmeregelungen  für Sonntagsarbeit schützen die Sonntagsruhe rechtlich. Für den tatsächlichen Schutz des Sonntags können die Bürgerinnen und Bürger selbst den entscheidenden Beitrag leisten. Mein Appell lautet daher:

Nutzen Sie den Sonntag für die Gemeinschaft und Gemeinsamkeit mit anderen, zum Austausch, zum Umgang und zum Gespräch. In einer Gesellschaft, in der Vereinzelung und Anonymität zunehmen und soziale Bindungen tendenziell abnehmen, hat dies eine besondere Bedeutung. Das Gespräch kann in der Familie, mit Freunden, Verwandten oder Bekannten gepflegt werden. Dabei können die Ereignisse und Erfahrungen erörtert, Fragen, die anstehen, besprochen und Rat in schwierigen Situationen gesucht werden. Dies stärkt zugleich den Zusammenhalt untereinander, die Bereitschaft, aufeinander zu hören und miteinander zu denken und zu planen, auch füreinander einzustehen.

 

Frage 4

In der Heiligen Schrift heißt es: „Für Euch und die Fremden, die bei Euch leben, gilt ein und dieselbe Regel: Das soll bei Euch als feste Regel des Herrn gelten, von Generation zu Generation, für euch ebenso wie für den Fremden.“ (4. Mose 15,15)

 

Christen setzen sich für ausländische Mitbürger ein.

 

Frage: Was erwarten Sie von den Zuwanderern an Integrationsleistung, und welche Bildung und Hilfen sind wir ihnen schuldig ?

 

Antwort Rudolf Joseph:

Ich sehe im Beherrschen der deutschen Sprache und im Bekenntnis zu unserer Verfassung und Werteordnung die grundlegenden Integrationsvoraussetzungen. Hierzu gehört, dass alle Kinder am Tag der Einschulung über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, denn Sprache ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Integration ist eine Querschnittsaufgabe, deren Schwerpunkte auf den Gebieten der Bildung und Arbeit liegen. Dazu gehört auch, den ausländischen Clubs und Vereinen Möglichkeiten zu eröffnen, ihre kulturelle Identität zu pflegen und als Bereicherung für die Allgemeinheit zu leben.

 

 

 

Frage 5

In der heiligen Schrift heißt es: „Der Gerechte hat Verständnis für den …

Armen“ (Sprüche 29,7)

 

Christen setzen sich ein für die Benachteiligten und Wehrlosen einer Gesellschaft.

 

Frage: In welchen Menschen sehen Sie die Schwächsten in unserer Stadt, und welche Hilfe werden Sie ihnen zukommen lassen ?

 

Antwort Rudolf Joseph:

In den Medien werden meistens Kinder als die Schwächsten der Gesellschaft genannt, gefolgt von den Alten, den Kranken und neuerdings den Ungebildeten. Diese generelle Einschätzung teile ich nicht. Kinder sind nicht schwach, wenn sie in einem intakten Elternhaus behütet aufwachsen; die älteren Mitbürger sind nicht schwach, wenn sie nicht allein sich selbst überlassen sind, wenn Sie Hilfe brauchen. Zu den Schwächsten in unserer Gesellschaft und damit auch in unserer Stadt gehören meiner Meinung nach jene, die hilflos sind. Hilflos, weil sie niemanden haben, der ihnen benötigte Hilfe gibt oder sich nicht trauen, um Hilfe nachzufragen. Aber auch die Hilflosen, die es nie gelernt haben, sich selbst zu helfen, weil es ihnen in der Familie nicht vermittelt worden ist. Hilflosigkeit hat viele Gesichter. Hilflose benötigen in ihren individuellen Lebenssituationen Beistand. Staatsgeld alleine kann hier nicht die allglücklichmachende Lösung sein. Verwandte, Freunde, Nachbarn, Kirchen und gemeinnützige Organisationen können hier einen wichtigen Beitrag leisten, damit die Hilflosen wahrgenommen werden und Ihnen wenn möglich auch geholfen wird.     

 

 

 

Frage 6

In der Heiligen Schrift heißt es: „Liebet einander, wie Euch der Herr geliebt hat“ (1. Joh 3,15)

 

Christen organisieren ihre tätige Nächstenliebe aktiv in SKFM bzw. Caritas und Diakonie.

 

Frage: Welche Erwartungen haben Sie an die christlichen Wohlfahrtsverbände als aktive Mitgestalter in einer menschlichen Stadt, und wie gedenken Sie die partnerschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen des Subsidiaritätsprinzips zu gestalten ?

 

Antwort Rudolf Joseph:

Nächstenliebe im Sinne der Bibel wird von Menschen gelebt – entsprechend ihren Fähigkeiten und entsprechend ihren Möglichkeiten.  Dabei verdient die gelegentliche Hilfestellung gegenüber dem älteren Nachbarn genauso Anerkennung wie die professionelle Unterstützung durch ehrenamtliche Kräfte in christlichen Wohlfahrtsverbänden. Gemeinsam ist den Handelnden ihre christliche Motivation: Den Bedürftigen helfen, für den Lohn der Freude, geholfen zu haben. Als Bürgermeister würde ich meinen Beitrag dazu leisten, dass Aktivitäten der vorhandenen Wohlfahrtsorganisationen und privaten Trägern mit Maßnahmen der öffentlichen Hand abgestimmt werden, um möglichst bedarfsorientiert und zielgenau helfen zu können. In Zeiten knapper Kassen ist das eine anspruchsvolle Aufgabe.   

 

 

Frage 7

In der Heiligen Schrift heißt es: „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7)

 

Christen beteiligen sich an der Gestaltung des öffentlichen Lebens. Uns sind viele Sorgen bekannt von Menschen, die sich vor der Wirtschaftskrise, dem Klimawandel und lokal auch vor der CO-Pipeline ängstigen.

 

Frage: Was wären für Sie die ersten drei wichtigen Maßnahmen Ihrer Amtszeit ?

 

Antwort Rudolf Joseph:

Sehr gerne würde ich als Bürgermeister die Wirtschaftskrise für beendet erklären, die CO-Pipeline verbieten und den Klimawandel auf ein natürliches Maß zurückführen. Da dies jedoch nicht in meiner Macht stünde, würde ich mich auf das Machbare konzentrieren und da es mehr als drei wichtige Maßnahmen gibt, wäre es am wichtigsten, vorbereitend für alle anstehenden Entscheidungen zunächst in Hilden einen umfassenderen Gemeinschaftssinn der Bürgerinnen und Bürger zu wecken. Einen Gemeinschaftssinn, der identitätsstiftend wirkt, der Nachbarschaftshilfe verstärkt und sich generationenübergreifend entfaltet, so wie wir es aus intakten Großfamilien oder ländlichen Siedlungen kennen. Wenn das Bewusstsein vorhanden ist, dass wir als Bürger-Gemeinschaft Verantwortung für unsere Stadt tragen, dann gibt es für zukunftsichernde Entscheidungen – wie beispielsweise Schuldenabbau – eine viel breitere Basis in der Bevölkerung. Das Bürgerbegehren „Hände weg vom Alten Markt“ hat ja eindrucksvoll gezeigt, dass die Gemeinschaft der Bürger sich im Ergebnis durchsetzen kann – auch, wenn es sein muss, gegen den Bürgermeister. 

 

Erlauben Sie mir zum Abschluss noch ein partei- und religionsübergreifendes Anliegen:

 

Bitte gehen Sie zur Wahl !

 

Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch!  Nutzen Sie Ihr Bürgerrecht zur Wahl und überlassen Sie es bitte nicht wenigen anderen, die Geschicke unserer Vaterstadt entscheidend zu bestimmen und vielleicht in eine ganz andere Richtung zu lenken, als Sie es sich wünschen!

Bitte vergessen Sie nicht: Wählen gehen bedeutet auch, unsere verfassungsmäßige Demokratie, basierend auf den christlichen Werten, zu leben und zu schützen.

 

In diesem Sinne, ein herzliches „vergelts Gott“

 

Ihr Rudolf Joseph

 

Bürgermeisterkandidat der FDP

 

 

- Ende -